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Musik des grausen Mittelalters


3. Sinfoniekonzert mit Wandelkonzert
am Samstag, 26. Juli 2014
ab 17 Uhr, Hauptkonzert um 20 Uhr
im Franziskaner-Konzerthaus
Dirigent: Jörg Iwer



Multimediales Spektakulum ab 17 Uhr

Hauptkonzert:

Richard Wagner: Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Parsifal“
Paul Hindemith: Sinfonie „Mathis der Maler“


Richard Wagners Ouvertüre zu „Die Meistersinger“

Die erste Prosafassung des Textbuches entstand bereits während eines Aufenthalt im böhmischen Marienbad im Jahre 1845. Dass das Werk angesichts dieser Entstehungsbedingungen dennoch das Bild einer vollendeten Einheit bietet, erklärt sich wohl auch dadurch, daß sich Wagner schon früh auf das musikalische Material festlegte. Das Werk ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Kopfgeburt. Entgegen aller Opernpraxis und auch seiner eigenen Gewohnheit komponierte Wagner seinerzeit in Biebrich nämlich als erstes (nur) die Ouvertüre der Oper. Dies wirft ein interessantes Licht auf Wagners Arbeitsweise. Möglich wurde diese Reihenfolge nämlich durch eine Kompositionsmethode, die Wagner von Beethoven übernommen hatte. Danach wird ein Werk konsequent aus einmal gewählten Themen nach den Gesetzen entwickelt, die diesen Motiven innewohnen, ein Verfahren, das Wagner gerade in den “Meistersingern” thematisiert. Dort fragt Stolzing, dem Hans Sachs die Gesetze des Meisterliedes erklärt: „Wie fang ich nach der Regel an?”, worauf Sachs antwortet: “Ihr stellt sie auf und folgt ihr dann”.

Auch ansonsten waren bei der Meistersinger-Ouvertüre die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Ihre Uraufführung fand im November 1862 im Gewandhaus im Leipzig statt, sechs Jahre bevor das ganze Werk gespielt wurde.

Der Oper selbst war übrigens das Schicksal beschieden, das Wagner erhofft hatte. Die Uraufführung im Juni 1868 in München war sein größter Theatererfolg. Das Werk verbreitete sich, wie vorausgesagt, binnen kurzem über die Bühnen der Welt. Die hochkomplexe Ouvertüre wiederum, ein Wunderwerk Wagner’scher Kontrapunktik und Leitmotivik, hat als das eigenständige Werk, das sie von Anfang an war, zusätzlich auch die Konzertpodien der Welt erobert.


Paul Hindemiths Sinfonie „Mathis der Maler“

Hindemiths Symphonie entsteht parallel zu seiner Oper - und ihre drei Sätze tragen die Titel der berühmten Altartafeln: Engelkonzert, Grablegung und Versuchung des heiligen Antonius. Noch immer haftet Paul Hindemith der Ruf des schwer erträglichen Bürgerschrecks an: In den 1920er Jahren leistete er sich gleich eine ganze Reihe starker Stücke.

Den größten Skandal aber landete Paul Hindemith 1933 mit "Mathis der Maler": Die scheinbar harmlose Oper um Matthias Grünewald sowie die - für Wilhelm Furtwängler und die Berliner Philharmoniker entstandene - Symphonie über Grünewalds "Isenheimer Altar" trugen Hindemith mächtigen Ärger mit den Nazis ein und führten schließlich zu seiner Emigration. Ein deutscher Künstler als Opernheld, der seine Kunst aufgibt, um sich mit dem Freiheitskampf der Bauern zu solidarisieren - diese Botschaft musste 1933 als politisches Bekenntnis ankommen.

Indem Paul Hindemith seiner Symphonie eine überdeutliche Architektur schuf, wollte er keine strenge Gelehrtheit zur Schau stellen, sondern größtmögliche Klarheit schaffen. Er wollte beides: bewahren, indem er zurückgriff auf Vorbilder - und erneuern, indem er selbst kontrapunktisch ausgefeilte Fugen eben nicht als Zitat, sondern als eigene Schöpfung integriert. An ihren schönsten Stellen beginnt Hindemiths Musik zu schweben.