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Von Bäumen und Wäldern


Am Samstag, 23. Juli lädt das Sinfonieorchester wieder zum beliebten Wandelkonzert ein. Dieses beginnt um 17 Uhr und findet im gesamten Franziskaner-Kulturkomplex statt. Es wirken verschiedene Ensembles der Musikakademie gGmbH und des Sinfonieorchesters mit. Bereits um 16 Uhr führen die Kinder der Kindertagesstätte Johanna-Schwer mit der Musikakademie den "Karneval der Tiere" anläßlich des 75-jährigen Jubiläums auf.


Ab 20 Uhr Hauptkonzert:
Carl Maria von Weber: Freischüz-Ouvertüre, op. 77
Igor Strawinsky: Concerto in Es-Dur für kleines Orchester (Dumbarton Oaks)
Felix Mendelssohn-Bartholdy: Violin-Konzert e-moll, op. 64
Solistin: Liya Petrova, Finalistin des Wettbewerbes des Deutschen Musikrates



Carl Maria von Weber
Der Komponist, in dessen Person sich Musiker, Komponist und Dirigent auf kongeniale Art und Weise vereinen, war auch wegbereitend als Dichter, Kritiker, Schriftsteller und Kulturpolitiker. Die von ihm betriebenen Neuerungen – wie etwa das Einführen des Taktstocks oder die Änderung der Sitzordnung des Orchesters – charakterisieren ihn als einen der prägendsten Musiker des 19. Jahrhunderts. Die Freischütz-Ouvertüre zählt zu den Höhepunkten in Webers Orchesterschaffen, für die Entwicklung der romantischen Musik war sie von kaum zu überschätzender Bedeutung.
Carl Maria von Weber selbst meinte in einem Gespräch mit einem Musiktheoretiker, dass der Freischütz-Ouvertüre zwei Hauptelemente zugrunde liegen, die auf den ersten Blick zu erkennen sind: Jägerleben und der Einfluss dämonischer Mächte. Die Klangfarbe für das Wald- und Jägerleben war für von Weber leicht zu finden: Die Hörner lieferten sie. Die Schwierigkeit lag nur in dem Erfinden neuer Melodien für die Hörner, die einfach und volkstümlich sein mussten. Carl Maria von Weber hat in der Entwicklung der Freischütz-Ouvertüre, wie auch der Librettist Kind im Inhalt der Oper, den Konflikt zwischen der Jägeridylle und den finsteren Mächten musikalisch wie dramaturgisch scharfsinnig gegenübergestellt. Vom ersten Takt an wird der Hörer in die Welt des Wald- und Geisterdramas gezogen und durchlebt die Gefühle und Konflikte, die sich später in der Handlung entwickeln werden. Damit war Weber wegbereitend für die Opernvorspiele von Richard Wagner. Wie dieser später formulierte, besteht die Aufgabe der Ouvertüre darin, mit den eigentlichen Mitteln der selbständigen Musik die charakteristische Idee des Dramas wiederzugeben und zu einem Abschluss zu führen. Auch in einem weiteren Punkt war Weber wegweisend. Er weist bestimmten Instrumenten verschiedene Stimmungen und Rollen zu, die sie dann im Verlauf der Oper beibehalten. Die Hörner etwa stehen für das Wald- und Jägerleben, die tiefen Lagen der Streicher und vor allem die Klarinette für die „finstern Mächte“. Damit hat Weber die Grundlagen für die musikdramatische Doppelbödigkeit gelegt, die Wagner zur Vollendung brachte. Schon bei der Uraufführung in Berlin 1821 zeichnete sich ab, welch einflussreichen Meilenstein der deutschen Operngeschichte Weber komponiert hatte. In den Ouvertüren seiner späten Opern weitet Carl Maria von Weber die traditionelle Gattung des Opern-Vorspiels zur Sinfonischen Dichtung aus. Dies gilt insbesondere für die Freischütz-Ouvertüre. Der Gefahr des Potpourrihaften entgeht Webers Werk durch ihre Einschmelzung in die straffe Form eines Sonatensatzes. Die Ouvertüre zählt zu den Höhepunkten in Webers Orchesterschaffen.

Igor Strawinsky
Nicht jeder ist in der komfortablen Lage, sich zu seinem 30. Hochzeitstag ein Werk aus der Feder eines berühmten Komponisten zu wünschen. Die amerikanischen Kunstmäzene Mildred und Robert Wood Bliss taten 1938 genau dies und beauftragten Igor Strawinsky für sie ein Stück zu komponieren. Das Ehepaar hatte Strawinsky im Vorjahr bei der Uraufführung seines Ballets „Jeu de Cartes“ kennen gelernt. Sie luden den Komponisten auf ihren Landsitz „Dumbarton Oaks“ in Washington D.C. ein, um die Einzelheiten zu besprechen. Gerade rechtzeitig zu den Feierlichkeiten anläßlich des 30. Hochzeitstages schloss Strawinsky die Komposition ab und datierte die Fertigstellung auf den Tag der Uraufführung am 8. Mai 1938.
Ebenso klassisch wie den dreisätzigen Aufbau wählte er den Titel „Concerto in Es“ und fügte als Widmung den Untertitel „Dumbarton Oaks“ hinzu. Es spielt ein Ensemble von Solisten, das sich zu Tutti-Gruppen zusammenschließt, aber es gibt auch solistische Momente. Das Dumbarton Oaks-Konzert wurde eines der erfolgreichsten Werke Strawinskys. Strawinsky, der erst Jura studierte, bevor er Schüler Rimski-Korsakows wurde, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Neuen Musik“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er hat sich mit der Zwölftontechnik auseinandergesetzt und seriellen Techniken. Sein Stil reicht von Kompositionen moderner klassischer Musik bis hin zu Werken mit „neobarocken“ Tendenzen. Ein Markenzeichen ist seine expressive Rhythmik geworden. Sehr wichtig für Strawinskys Schaffen war die Freundschaft mit Sergej Diaghilew, dem Choreographen und Direktor des „Ballet Russe“. Die Ballette „Feuervogel“ (1911) und „Petruschka“ (1912) sind bedeutende Zeugnisse ihrer intensiven Zusammenarbeit. Während seiner späten Phase gelangten Einflüsse des Jazz in seine Arbeit. Auch als Pianist und Dirigent, oft seiner eigenen Werke, wurde Igor Strawinsky berühmt.


Felix Mendelssohn Bartholdy
Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll op. 64 zählt zu den großen, berühmten romantischen Violinkonzerten, die heute regelmäßig zu hören sind. Schon im Juli 1838 – sieben Jahre vor der Uraufführeng - hatte Mendelssohn seinem Freund, dem Violinisten Ferdinand David mitgeteilt: „Ich möchte Dir wohl auch ein Violinkonzert machen für nächsten Winter; eins in e-moll steht mir im Kopfe, dessen Anfang mir keine Ruhe läßt.“ Erst im Jahre 1844, also sechs Jahre später wurde das Violinkonzert in Bad Soden vollendet. Der Geiger und Freund Ferdinand David brachte es im März 1845 in Leipzig zur Uraufführung.
Bis zum frühen Tod Mendelssohn-Bartholdys mit nur 38 Jahren entstand ein Œuvre von über 750 Stücken: Er ist bekannt für sein umfangreiches und bedeutendes Schaffen im Bereich der Sinfonik, Chorsinfonik und der Kammermusik. Viele dieser Werke entstanden u.a. auf seinen zahlreichen Reisen. Ohne Übertreibung darf man Felix Mendelssohn-Bartholdy als musikalisches Wunderkind bezeichnen. Bis 1824 lagen bereits circa 150 Werke vor, darunter auch ein Magnificat, ein Kyrie und ein Salve Regina. Mit dem Oktett Op. 20 und der Ouvertüre zum Sommernachtstraum legte der 16- beziehungsweise erst 17-Jährige erste Meisterwerke vor.
Daneben setzte sich Mendelssohn Bartholdy für die Aufführung von Werken Händels und Johann Sebastian Bachs ein. Damit trug er wesentlich zu ihrer Wiederentdeckung und zur Herausbildung eines Verständnisses für die „klassische“ Epoche der deutschen Musik bei. Er gilt als Mitbegründer der historischen Musikpflege und gründete das erste Konservatorium in Deutschland. Mendelssohn gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik und setzte als Dirigent neue Standards, die das Selbstverständnis des Dirigierens bis heute maßgeblich mitprägen. Mendelssohn-Bartholdy wurde in Hamburg geboren und wuchs in Berlin als Sohn eines Bankiers und Enkel des Philosophen Moses Mendelssohn auf. Er war im großbürgerlichen Milieu zuhause, das ihm reiche geistige Anregungen inmitten der intellektuellen Elite Berlins bot. Zum Freundeskreis des Elternhauses gehörten Humboldt, Schleiermacher, Heine und Schadow, die auch die Hauskonzerte der Familie besuchten, in denen die ersten Kompositionen des Knaben aufgeführt wurden.
Robert Schumann sagte über Ihn: „Er ist der Mozart des 19. Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt." Wohl jeder kennt Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy - vielleicht ohne es zu wissen: Der "Hochzeitsmarsch" aus seiner Schauspielmusik zur Shakespeare-Komödie "Ein Sommernachtstraum" untermalt allein in mehr als hundert Filmen den Weg des Brautpaars zum Altar.


Liya Petrova
ist Finalistin des hochkarätigen Musikwettbewerbs 2015 des Deutschen Musikrates. Das Sinfonieorchester setzt so die erfolgreiche Kooperation mit dem Musikrat fort: Im Juli 2015 war Preisträgerin Janina Ruh (Cello) gefeierte Solistin.
Liya Petrova präsentiert ist in Bulgarien geboren und wuchs in einer Musikerfamilie in Sofia auf. Sie ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, 2015 wurde sie Finalistin, Stipendiatin und Sonderpreisträgerin des Deutschen Musikwettbewerbs, verbunden mit der Aufnahme in die 60. Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler und in die Künstlerliste – Solisten des DMW.