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Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit


Für diesen bedeutenden Feiertag hat Jörg Iwer ein außergewöhnliches Programm zusammengestellt:
Johannes Brahms: Akademische Festouvertüre c-moll/C-Dur, op. 80
Jörg Iwer: KS III für Bassposaune und Orchester
Solist: Thomas Leyendecker, Berliner Philharmoniker
Antonïn Dvorak: 9. Sinfonie e-moll "Aus der neuen Welt"
Das Konzert am Montag, 3. Oktober 2016 im Franziskaner-Konzerthaus beginnt um 17:00 Uhr



Johannes Brahms
Als Dank für die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Breslau im Jahre 1879 schrieb Johannes Brahms seine „Akademische Festouvertüre“ op. 80. Grundlage dieser Ouvertüre sind die zur damaligen Zeit sehr beliebten Studentenlieder, die Brahms als thematisches Ausgangsmaterial für einen Sonatensatz eingearbeitet hat.. Zu der Festouvertüre gibt es auch ein Gegenstück, die „Tragische Ouvertüre“ op. 81 – beide Werke wurden erstmal 1881 in Breslau aufgeführt. Die Tragische Ouvertüre hatte ihn schon seit Jahren beschäftigt, und Brahms wollte damit der Universität die beiden Seiten seines Charakters, die ernste und die lustige, zeigen.
Die erste Melodie der Festouvertüre geht auf ein Studentenlied zurück, das damals in Deutschland noch eine gewisse Bekanntheit hatte. Daniel August Binzer hatte 1819 den ursprünglichen Liedertext geschrieben (Wir hatten gebauet ein stattliches Haus). Anlass war die Auflösung der Jenaer Burschenschaft. Heute kennt man das Lied eher unter seinem neueren Text (Ich hab´ mich ergeben mit Herz und mit Hand).
Das folgende Lied „Alles schweige” ist über die Jahre zumindest in der breiten Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten. Das berühmteste aller Studentenlieder hob sich Brahms für die Coda der Ouvertüre auf: „Gaudeamus igitur”. Der Text stammt von Christian Wilhelm Kindleben aus dem Jahr 1781, der seit 1768 als Pastor in Leipzig tätig war und 1781 wegen seiner Studentenlieder des Landes verwiesen wurde.
Die musikalische Danksagung an die Universität Breslau zeigt einmal mehr Brahms´ verarbeitungstechnische Meisterschaft, verbunden mit einer gewissen Ironie im Umgang mit den Studentenlieder-Vorlagen. Brahms selbst verglich das Werk mit einem Suppé-Potpourri. Nikolaus Harnoncourt hat einmal den „hintergründigen Humor“ hervorgehoben: „Das Orchester wird hier wirklich zum Lachen eingesetzt“.



Jörg Iwer
Der langjährige musikalische Leiter des Sinfonieorchesters hat in den vergangenen Jahren oft mit seinen Kompositionen das Publikum begeistert. Die Besucher der Konzerte erleben so regelmäßig Uraufführungen der Werke von Jörg Iwer wie beispielsweise bei „Pierre Gris“, das er für den jungen Schlagzeuger Daniel Higler komponiert hat oder das Konzert für zwei Fagotte und Orchester für Rie und Akio Koyama. Auch bei den Neujahrskonzerten sorgte er mit seinem filmmusikreifen Stück „Zwischen Bergen und Meer“ für Aufsehen. Jetzt hat sich Jörg Iwer die Bassposaune ausgesucht und komponierte hier ein Werk, das am 3. Oktober beim großen Festkonzert im Franziskaner-Konzerthaus uraufgeführt wird.

Thomas Leyendecker
Der 1980 in Adenau geborene Posaunist studierte ab 2000 an der Hochschule für Musik und Theater Saarbrücken und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart Posaune bei Henning Wiegräbe, wo er 2006 mit Auszeichnung abschloss. Neben seinen zahlreichen Auszeichnungen war Thomas Leyendecker Mitglied im Bundes-Jazz-Orchester, dem Bundes-Jugend-Orchester und den Deutschen Blechbläsersolisten. Seit Januar 2006 ist Thomas Leyendecker Posaunist bei den Berliner Philharmonikern, von 2008 bis 2012 Dozent an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, seit 2012 Professor für Posaune an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Als gefragter Dozent gibt er zahlreiche Meisterkurse im In- und Ausland.

Antonín Dvořák

Die Sinfonie e-Moll op. 95, die letzte und bekannteste der neun Sinfonien Antonín Dvoráks, war das erste und zugleich auch meistdiskutierte Werk, das der Komponist während seines dreijährigen Aufenthaltes in Amerika schuf. Die Sinfonie rief bei der Uraufführung 1893 in der New Yorker Carnegie Hall stürmische Begeisterung hervor.
1892 stieg Antonín Dvořák auf einen Dampfer nach New York. Eine Reise mit einem klaren Ziel. Die Suche nach der Antwort auf die Frage: Wie klingt Amerika? Das Ergebnis ist eine Sinfonie, die den Geist alter Spirituals atmet. Der zu diesem Zeitpunkt 50-jährige Dvořák war zwar ein weltweit angesehener Komponist, der schon weit gereist, aber noch nie in Amerika war. Er folgte einer Einladung des New Yorker Nationalkonservatoriums. Man hatte ihm eine Stelle als Kompositionslehrer und Direktor angeboten. Jeanette Thurber war die Präsidentin des Konservatoriums. Von Dvořák verlangte sie ziemlich viel: Er sollte den Amerikanern ihre eigene „Nationalmusik“ beibringen. Aber wie sollte Musik klingen, die „echt amerikanisch“ ist? Das wusste keiner so genau. Schließlich ist die USA ein Einwanderungsland ohne ureigene Tradition, schon gar nicht in Sachen klassische Musik. Die Stelle war mit 15.000 Dollar jährlich dotiert und somit ein attraktives finanzielles Angebot für Dvořák, wenn er auch für diesen langen Aufenthalt eine Lösung für seine Familie finden musste. Seine Frau, seine Tochter Otilie und sein Sohn Antonín begleiteten ihn. Die anderen vier Kinder kamen nur für die Sommermonate 1893 in die USA, die die Familie in dem tschechisch geprägten Spillville in Iowa verbrachte.
Dvořák machte sich an die Arbeit für seine 9. Sinfonie. Er nannte sie: „Aus der Neuen Welt“ und begann seine Suche nach musikalischer Identität in einem dunklen Kapitel amerikanischer Geschichte. Er ließ sich Studien bringen von Spirituals, von Sklaven- und Plantagenliedern der schwarzen Bevölkerung. Es gibt aber auch irische und schottische Einflüsse in der Sinfonie. So kommt zum Ausdruck, dass Amerika ein Einwanderungsland war.
Dvořák macht sich die Synkopen-Rhythmen der Spirituals zu Eigen und komponiert ein Englischhorn-Solo, das mit ein bisschen Fantasie nach der Weite der amerikanischen Prärie klingt.
In New York schrieb Dvořák einige seiner bekanntesten Werke: die Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“, das „Te Deum“ und das Streichquartett op. 96, das oft als „Amerikanisches Streichquartett“ bezeichnet wird.