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Sinfonien aus Wien


Sonntag, 18. März 2018 um 17:00 Uhr im Franziskaner-Konzerthaus
Anton Webern: Sinfonie op. 21
Richard Strauss: 2. Hornkonzert Es-Dur, Solist: Szabolcs Zempléni
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 3 D-Dur
Dirigent: Helmuth Reichel-Silva



Die Stadt Wien war im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens in den letzten Jahrhunderten. Alle großen Komponisten hatten eine starke Verbindung zu der Stadt und haben dort studiert, gelebt oder komponiert. Dadurch entstanden Generationen von Komponisten, die eine Art von "Tradition" weitergegeben haben - daraus entwickelte sich die "Wiener Schule", die "Wiener Klassik" und die "Zweite Wiener Schule". So ist eine Verbindung zu erkennen, die von Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert über Brahms und Mahler bis Schönberg, Berg und Webern reicht.
Sowohl Schubert als auch Webern haben auf eine ganz eigene Art und mit einem persönlichen Stil Sinfonien komponiert. Obwohl zwischen der Entstehung beide Werke - Schuberts 3. Sinfonie 1815 und Webern Sinfonie 1927 - mehr als 100 Jahre vergehen mussten, lehnen sich beide Werke stark an der Tradition des XVIII. und XIX. Jahrhundert an, obwohl Weberns Zwölftontechnik damals (und eventuell heute teilweise noch) unter starkem Unverständnis litt. Interessant ist wie Anton Webern es schafft, eine Sinfonie in konzentrierter Form zu komponieren (10 Minuten lang!), in der trotzdem alle Elemente der traditionelle Form beinhalten sind, sei es in einer reduzierter Form oder nur andeutend. Indem beide Sinfonien nebeneinander zur Aufführung kommen werden, wird das Publikum einen wichtiger Teil der Musikgeschichte erleben können.

Anton Webern
war einer der ersten Schüler von Arnold Schönberg, der die Zwölfton-Technik entwickelt hat. Webern, aus einer adeligen Familie stammend, studierte in Wien Musikwissenschaft. In den folgenden Jahren arbeitete er zeitweise als Kapellmeister in Bad Ischl, Teplitz, Danzig, Stettin und Prag – eine Tätigkeit, über die er in vielen Briefen klagte. Nach dem Ersten Weltkrieg war Webern Leiter des Wiener Schubertbundes (bis 1922), der Wiener Arbeiter-Sinfoniekonzerte sowie Chormeister des Wiener Arbeiter-Singvereins. 1927 wurde er ständiger Dirigent beim österreichischen Rundfunk. 1924 und 1932 erhielt Anton Webern den Musikpreis der Stadt Wien. Er gab Gastspiele in der Schweiz, in England, Spanien und Deutschland. 1924/1925 wendete Webern erstmals Schönbergs Zwölftontechnik an. Während Schönberg und Alban Berg diese Technik für große Formen anwendeten, vollendete sich die Kunst Weberns in der kleinen, hochkonzentrierten Form und er begann „seine Diamanten zu schleifen, seine blitzenden Diamanten, von deren Minen er eine so vollkommene Kenntnis hatte“ – wie Igor Strawinski es einmal ausdrückte.
Weberns Verhältnis zur NS-Ideologie und zum NS-Staat ist in der Forschung umstritten. Ab 1939 zog er sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Tragischeweise wurde er 1945 in Mittersill bei Zell am See von einem US-amerikanischen Soldaten versehentlich erschossen. Während einer Razzia im Haus Weberns – sein Schwiegersohn wurde des Schwarzmarkthandels verdächtigt – trat Webern vor die Tür, um eine Zigarre zu rauchen, und stieß mit einem der Soldaten, die das Haus umstellt hatten, zusammen, woraufhin die tödlichen Schüsse fielen.


Richard Strauss
war Solo-Hornist der Münchner Hofoper und Professor der Königlichen Akademie der Musik in der Isarstadt. Kann es denn unter diesen Umständen verwundern, dass auch der junge Richard Strauss schon früh zum Klang dieses Blasinstrumentes hingezogen fühlte. So komponierte er schon als Achtzehnjähriger sein erstes Hornkonzert, das in seinem klassizistisch romantischen Stil seine individuelle Note noch nicht erkennen lässt. Kaum sechs Jahre später versetzte er mit seinem „Don Juan“ dem damaligen bürgerlichen Konzertpublikum einen Schock. Mit diesem Werk löste er sich von seinen Vorbildern und fand seine eigene farbenreiche Tonsprache.
Im Jahre 1942, also 60 Jahre nach seinem ersten Hornkonzert, komponierte Strauss sein zweites Hornkonzert, das in vielem wie ein wehmütiger Gruß an die Jugend erscheint. Es steht wieder in der für den Hornisten angenehmen Tonart Es-dur und eröffnet den ersten Satz ebenso mit einer fanfarenartigen Kadenz. Solist und Holzbläser lassen im koketten Dialog den ersten Satz mit schwungvoller Eleganz vorüberziehen. Das anschließende Andante wird in seiner idyllischen Lyrik ebenfalls vom Klang der Holzbläser bestimmt. Das Schlussrondo, mit einem übermütigen sprudelnden Thema, zeigt Strauss auf der Höhe seiner Erfindungskraft. Die Uraufführung fand unter Karl Böhm 1943 während der Salzburger Festspiele mit den Wiener Philharmonikern und Gottfried von Freiberg als Solisten statt. Das zweite Hornkonzert stellt technisch besonders hohe und knifflige Anforderungen an den Solisten.


Szabolcs Zempléni
Szabolcs Zempléni errang mit 17 Jahren bereits den 1. Preis und den
Sonderpreis am Concertino Praga. Es folgten der 1. Preis beim Internationalen
Hornwettbewerb in Békés, der 2. Preis beim Internationalen Hornwettbewerb in
Markneukirchen im Jahr 2000 und der 1. Preis beim Internationalen Hornwettbewerb
Brno 2001. Den 1. Preis beim Internationalen ARD –Musikwettbewerb in München gewann Szabolcs Zempléni im Jahre 2005. Seitdem spielte er Solokonzerte u.a. in der Tschechischen Republik, in Japan, China, Thailand, Italien, Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den Vereinigten Staaten unter der Leitung von Ivan Fischer, Yakov Kreizberg, Jonathan Nott, Daniel Raiskin und Michael Sanderling. Er debütierte bereits in den größten Konzerthallen wie dem Auditorium in Rom, der Carnegie Hall New York, der Philharmonie im Gasteig, München und dem Bartók‐Saal in Budapest. Er konzertierte ferner mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Münchener Kammerorchester, der Camerata Salzburg, dem Budapest Festival Orchester, den Bamberger Symphonikern, der Württembergischen Philharmonie Reutlingen. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen András Keller, Péter Nagy, Dénes Várjon, Christoph Eschenbach, Elena Bashkirova, Christian Zacharias und das Atos Trio. Szabolcs Zempléni ist Gastprofessor am Trinity Music College in London und am Tokyo Music College in Japan. 2010 folgte er einem Ruf an die Hochschule für Musik Trossingen und bekleidet seitdem dort die Professur für Horn. Seine erstes Solo‐CD (Colours of the French Horn) erschien 2011.




Franz Schubert

Obwohl er schon im Alter von 31 Jahren starb, hinterließ er rund 600 Lieder, weltliche und geistliche Chormusik, sieben vollständige und fünf unvollendete Sinfonien, Ouvertüren, Bühnenwerke, Klaviermusik und Kammermusik. Rund 30000 Stunden hat er wohl mit Komponieren verbracht, sogar nachts soll er seine markante Brille getragen haben, um sofort jede Idee zu Papier bringen zu können. Heute ist Schuberts Rang als herausragender Vertreter der frühen Romantik unbestritten. Er litt viele Jahre an Syphilis, doch dürfte die Todesursache eine akute Infektionskrankheit gewesen sein, wahrscheinlich Typhus. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, komponierte er bereits in jungen Jahren Sinfonien. Mit 15 wagte er sich an seine erste Sinfonie, nach einer Pause von zwei Jahren vertiefte er sich dann so richtig in diese Gattung und schuf binnen zwei Jahren fünf weitere Sinfonien. Die 3. Symphonie entstand in der Zeit zwischen Mai und Juli 1815. Sie wurde vermutlich kurz darauf erstmals in der Wohnung des Kaufmannes Franz Frischling gespielt, wo sich zwei Mal in der Woche Berufsmusiker und Amateure zum gemeinsamen Musizieren trafen. Das Werk ist noch weitgehend von den großen Wiener Vorbildern geprägt: Mozart, Haydn und Beethoven haben bei dem jungen Schubert ihre Spuren hinterlassen. Es ist gekennzeichnet durch klassisch klare Formen und prägnante Themen, die mit großer Ökonomie nach den Regeln der Kunst verarbeitet werden, die die Meister vorgegeben hatten. Mit leichter Hand werden die Themen nach allen Regeln der Kunst verarbeitet. Oftmals überrascht Schubert aber durch sehr individuelle harmonische Wendungen und bricht so das vorgegebene Regelwerk immer wieder auf. Ein langsamer, meditativer Satz fehlt komplett in dieser Symphonie der unbeschwerten Lebenslust. Stattdessen steht an zweiter Stelle ein Allegretto.
Wie praktisch alle Instrumentalwerke Schuberts kam auch die 3. Symphonie erst nach Jahrzehnten an das Licht der Öffentlichkeit. Der vierte Satz wurde erstmals im Jahre 1860 in Wien als Teil „einer“ Symphonie gespielt, die man aus verschiedenen Werken Schuberts zusammenstellte. Die erste vollständige Aufführung fand 1881 in London statt.