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Nordlichter


Sonntag, 13. Mai 2018 um 17 Uhr im Franzikaner-Konzerthaus
Carl Nielsen: Violinkonzert op. 33
Solistin: Liya Petrova, Finalistin des Musikwettbewerbes des Deutschen Musikrates
Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 2 D-Dur
Dirigent: Hannes Reich



Das Nordlicht gehört zu den faszinierendsten Naturereignissen, die mit ihrem Himmelstanz Wärme und Geborgenheit in die eiskalten Nächte und die karge Landschaft Skandinaviens bringen. Es hat den Anschein, dass dieser Zauber Einfluss auf die Komponisten der nordischen Länder hat, die mit großer Liebe zu Klang und Harmonie die Musik in einer ganz eigenen Art und Weise zum Klingen bringen. Das selten gespielte Violinkonzert des dänischen Komponisten Carl Nielsens ist geprägt von einem neoklassischem Aufbau und lädt an viele Stellen zum Träumen ein. Die Werke des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius wiederum lassen vor dem inneren Auge die weiten Landschaften seiner Heimat und die kulturellen Traditionen des Nordens entstehen. Kein Wunder, dass insbesondere seine 2. Symphonie zu einem seiner populärsten Kompositionen wurde, da das Werk alle Vorzüge seines Stils zeigt: Kraft, herbe Farbgebung, Pathos und Naturverbundenheit.

Jean Sibelius
Vor allem das Violinkonzert des finnischen Komponisten Jean Sibelius ist neben dem Charakterstück „Finlandia“ sehr bekannt, aber auch seine sieben Sinfonien, die von 1899 bis 1924 entstanden, sind hörenswert. Mit der 2. Sinfonie setzt er sich von seinen romantischen Vorbildern Bruckner, Tschaikowsky und Dvorak ab. Hatte er sich früher zwar durch eine eigene Tonsprache profiliert, aber in formaler Hinsicht zur Tradition tendiert, so wagt er nun Experimente mit der sinfonischen Form. Das Werk erwächst organisch aus einem aufsteigenden Drei-Noten-Motiv heraus, das man zu Anfang hört und das in zahllosen Verwandlungen durch die gesamte Sinfonie erscheint und auch das dramatische Finale thematisch bestimmt. Die einzelnen Sätze entfernen sich deutlich von klassischen Strukturen. Diese äußerst populär gewordene Sinfonie ist mit ihrem grandiosen Finale in Finnland immer mit dem Kampf des Landes um seine Unabhängigkeit von Russland verbunden worden. Zeitweise wurde sie die „Sinfonie der Unabhängigkeit“ genannt, vor allem zu jener Zeit, als im damals russisch besetzten Finnland die finnische Sprache und die finnische Kultur unterdrückt wurden. Sibelius’ Haltung zu diesem Thema ist häufig kontrovers diskutiert worden. Einige behaupten, Sibelius hätte nie derartige patriotische Ambitionen bei der Komposition gehabt und sei nur später damit in Zusammenhang gebracht worden. Andere behaupten, er hätte durchaus dieses spezifische Thema der „finnischen Unabhängigkeit“ im Kopf gehabt.

Carl Nielsen
gilt als der bedeutendste Vertreter skandinavischer Musik nach Edvard Grieg und Jean Sibelius. Er ist auf Fünen (Dänemarkt) geboren. Er erhielt mit acht Jahren bereits Violinunterricht von seinem Vater. Da er in eine Militärorchester wollte, lernte er auch Trompete. 1883 konnte er ein Studium am Königlichen Konservatorium Kopenhagen beginnen mit Hauptfach Violine. Als Komponist hatte er seinen ersten Erfolg 1888 mit der Kleinen Suite für Streicher op.1. 1889 wurde er Violinist am Königlichen Theater in Kopenhagen und konnte durch ein Stipendium 1890 seine Studien in Deutschland fortsetzen. Carl Nielsen war mit der Bildhauerin Anne Marie Brodersen verheiratet. 1892 entstand seine erste Sinfonie, größere Anerkennung auch im Ausland erzielte er aber erst 1912 mit seiner dritten Sinfonie (Sinfonia espansiva) und seinem Violinkonzert. 1905 kündigte er seine Stelle als Violinist am Königlichen Theater, wirkte aber noch bis 1914 dort als Dirigent. Sein Ansehen sowohl als Komponist als auch als Dirigent wuchs stetig und zu seinem 60. Geburtstag wurde Carl Nielsen in Dänemark wie ein Volksheld gefeiert. Sein letztes großes Werk war Commotio (1931), seine einzige größere Orgelkomposition. Er starb 1931 in Kopenhagen.

Liya Petrova

ist die perfekte Solistin für das Violinkonzert von Nielsen: Immerhin hat sie 2016 den Internationalen Carl Nielsen-Geigen Wettbewerb in Dänemark gewonnen. Zuvor war sie Preisträgerin des Concours International de Violon Tibor Varga in Sion, des Internationalen Louis Spohr Wettbewerbs für Junge Geiger in Weimar und der Vaclav Huml Wettbewerb in Zagreb. 2015 wurde sie Finalistin, Stipendiatin und Sonderpreisträgerin des Deutschen Musikwettbewerbs, verbunden mit der Aufnahme in die 60. Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler und in die Künstlerliste – Solisten des DMR. Als Solistin war die Violinistin zu Gast bei Orchestern wie dem Orchestre Philharmonique Luxembourg, der Filharmonie Antwerp, dem Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, der Sinfonia Varsovia, der Brussels Philharmonic, dem Orchestre National Montpellier, dem Orchestre de Chambre de Lausanne, der Staatskapelle Weimar, der Klassik Philharmonie Hamburg, der Norddeutschen Philharmonie Rostock und dem Kansai Philharmonie Orchester. Dabei arbeitete sie mit Dirigenten wie Philippe Herreweghe, Krzysztof Penderecki, Yan Tortelier, Nikolas Znaider, Christopher Warren-Green, Jesús López Cobos und Michel Tabachnik. 2016 wurde sie zum zweiten Mal für die Konzertreihe „Martha Argerich and friends“ mit Martha Argerich, Yuri Bashmet und Mischa Maisky eingeladen. Weitere Kammermusikpartner waren Ivry Gitlis, Renaud Capuçon, Augustin Dumay, James Ehnes, Nicholas Angelich, Frank Braley, Yuja Wang, Gerard Caussé, Antoine Tamestit, Gary Hoffman und Gautier Capuçon. Sie gastierte unter anderem bei den Festspielen Mecklenburg-Vorkommen, dem Rheingau Musik Festival, den Ludwigsburger Schlossfestspielen, dem Festival de Radio France Montpellier, dem Festival de Menton und dem Festival de Pâques in Aix-en-Provence. Die in Bulgarien geborene Geigerin wuchs in einer Musikerfamilie in Sofia auf und studierte ab dem Alter von elf Jahren an der Hochschule für Musik und Theater Rostock bei Petru Munteanu, setzte des weiteren ihr Studium an der Chapelle Musicale Reine Elisabeth in Belgien bei Augustin Dumay, später bei Antje Weithaas an die Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin und mit Renaud Capuçon an der HEMU in Lausanne fort.