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Pastorale


Sonntag, 15. März 2020 um 17 Uhr im Franziskaner-Konzerthaus
um 16.30 Uhr Einführung "Musik im Gespräch"

Ludwig van Beethoven: Ouvertüre aus “Egmont”, op 84
und "Das Lied des Klärchen"
Justin Heinrich Knecht: Le Portrait musical de la nature
ou Grande Symphonie, Auszüge
Darius Milhaud: Machines agricoles op. 56: Sechs pastorale Gesänge für mittlere Stimme
Solistin: Lisa Tatin
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur “Pastorale” op. 68




Der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven findet sich natürlich auch in der Saison des Sinfonieorchesters wieder. So hat Achim Fiedler das zweite Konzert sogar nach der berühmten Beethoven-Sinfonie „Pastorale“ benannt und interessante Werke damit kombiniert, die einen besonderen Blick auf diese Beethoven-Komposition erlauben. Wie hochaktuell Beethovens Musik ist, zeigt ein Kunstprojekt, das beim Weltklimagipfel in Bonn vorgestellt worden ist: Das Beethoven Pastorale Projekt. Weltweit sollen Musiker sich Gedanken zur Klimapolitik zu machen und an Kunstaktionen teilzunehmen und Musik spielen, die in Verbindung zu Beethovens Pastorale steht. Am 5. Juni 2020, dem "Pastoral Day", der auch Weltumwelttag ist, sollen möglichst viele Aufführungen der Pastorale-Sinfonie weltweit stattfinden. Das Sinfonieorchester VS ist etwas früher dran, setzt aber mit der Aufführung auch ein wichtiges Signal für den Klimaschutz.

Justin Heinrich Knecht
war Musikdirektor in Biberach in Württemberg und bekannt als Organist und Verfasser musikpädagogischer Werke. Er schrieb die Symphonie "Tongemälde der Natur" ("Le Portrait musical de la Nature"). In ihr gab er ausführliche Programmerläuterungen wie idyllische Landschaft und Danklied der Natur. Es kann davon ausgegangen werden, dass Beethoven das Werk Knechts kannte und dieses ihn zu seiner 6. Symphonie inspirierte.
Darius Milhaud
Darius Milhaud war eines jener enfants terribles, die im Paris der 1920er-Jahre die französische Musik erneuern wollten, was ihm mit seinem umfangreichen Werk auch gelang. Milhaud komponierte in jeder Lebenslage und als ihm vorgeworfen wurde, dass er die Musik zu einer Dienerin seiner anspruchsvollen Texte mache, lieferte er den Gegenbeweis: Er vertonte den Katalog einer Blumenhandlung und den einer Landmaschinenausstellung. "Machines agricoles" besteht aus sechs pastoralen Sätzen.


Lisa Tatin
Zirkus, Schauspiel, Zeitgenössischer Tanz, Theater und Opergesang - all dies sind Stationen im Werdegang der Sopranistin Lisa Tatin. Nach ihrem Abschluss an einer Zirkus- und Tanzschule studiert sie Gesang in Lyon und in Fribourg/Lausanne. Anschließend folgte ein Masterstudium in Zürich, das sie mit Auszeichnung abschloss. Despina in Cosi fan tutte, Serpetta in La Finta Giardiniera und Adele in Die Fledermaus zählen zu den wichtigsten Rollenporträts von Lisa Tatin, die sie nicht nur musikalisch, sondern auch durch ihre darstellerischen Fähigkeiten auszufüllen vermag. Lisa Tatins besondere Leidenschaft gilt der zeitgenössischen Musik. Lisa Tatin ist Preisträgerin des Migros-Kulturprozent 2014/15, sowie erste Preisträgerin des Wettbewerbs 2015 für zeitgenössische Musik der Zürcher Hochschule der Künste.

Ludwig van Beethoven
Beethoven wollte in seiner Sinfonie mehr Ausdruck der Empfindung als „Malerey“ sehen. Er konnte nicht ahnen, dass Milhaud es wagen würde, Texte über landwirtschaftliche Maschinen aus einem Ausstellungskatalog aus dem Jahr 1913 zu vertonen. Und wie viel Landwirtschaft steckt eigentlich in Beethovens Pastorale? Claude Debussys Zitat als Monsieur Croche bezieht sich jedenfalls auf gewisse Partien von zwei Fagotten, die ihn an grasendes Weidevieh erinnerten.
Entstanden ist die "Pastorale" vorwiegend in den Jahren 1807 und 1808, quasi gleichzeitig mit der Fünften Sinfonie. Beethoven soll sich in Nußdorf und Grinzing aufgehalten haben; zwischen diesen Wiener Vororten verläuft der Schreiberbach. Das Werk strotzt nur so von Naturklängen – vom sanften Plätschern des Bachs, von Vogelgezwitscher, aber auch von heftigen Gewittern. Um seine Naturverbundenheit klar auszudrücken, lieferte der Komponist eindeutige Satzbezeichnungen, wie "Szene am Bach" oder "Gewitter und Sturm". Dass Beethoven bei der "Pastorale" in Bildern dachte, hört man beispielsweise in den Vogelrufen am Schluss des zweiten Satzes. Damit gar kein Zweifel aufkommt, überschreibt Beethoven die entsprechenden Stellen in der Partitur: "Nachtigall", "Wachtel" und "Kuckuck". Es sind aber auch die Überschriften der einzelnen Sätze, die – für Beethoven völlig untypisch – sehr konkret sind: "Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande", "Szene am Bach", "Lustiges Zusammensein der Landleute", "Gewitter und Sturm" und "Hirtengesänge". Während der Kompositionsarbeit hieß sie "Sinfonia characteristica" oder "Sinfonia pastorella", erst bei Drucklegung ließ Beethoven sie "Sinfonie pastorale" überschreiben. Für Beethoven selbst war die Natur nicht als moralischen sondern persönlichen Gründen wichtig. "Mein unglückseliges Gehör plagt mich hier nicht", schrieb er in einem Skizzenblatt im Jahr 1815.