Impressum
zurück
Karten

Zum Raum wird hier die Zeit


Sonntag, 17. Mai 2020 um 17 Uhr im Franziskaner-Konzerthaus, ab 16.30 Uhr Einführung "Musik im Gespräch"

Giovanni Gabrieli: Canzonen für Blechbläser
Guillaume Lekeu: Adagio für Streichorchester
Richard Wagner: Ouvertüre zu Rienzi
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 3 d-Moll



In diesem Konzert möchten wir den Franziskaner als Konzertraum erlebbar machen. Unsere Blechbläser werden bei Giovanni Gabrielis Sonate auf der Empore musizieren. Giovanni Gabrieli war ein venezianischer Kirchenmusiker am Markusdom in Venedig und einer der bedeutendsten Musiker der Venezianischen Mehrchörigkeit am Übergang von der Renaissancehin zum Barock. Sein avantgardistisches Werk zog Musiker aus ganz Europa nach Venedig. Sein berühmtester Schüler wurde der Deutsche Heinrich Schütz. Der Begriff venezianische Mehrchörigkeit bezeichnet eine Musikpraxis, die Mitte des 16. Jahrhunderts in der späten Renaissance in Italien aufkam. Venedig wurde dadurch zu einem führenden musikalischen Zentrum. Der Zuhörer wird von diesem Wechselspiel im Raum verteilter Klangkörper quasi umfangen. Neben musikalischen Beweggründen durchdringt das Bewusstwerden der räumlichen Dimension zu Beginn des 16. Jahrhunderts alle Gebiete des Lebens. Gleichermaßen Zeichen wie auch Schrittmacher dieses veränderten Bewußtseins sind die Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Columbus. Die Musik erhält im Bewusstsein der Menschen dieser Zeit durch die ausdrückliche Betonung ihrer Räumlichkeit eine nahezu kosmische Dimension.

Anton Bruckner
Zwar trennen Gabrieli und Bruckner Jahrhunderte, aber sie sind sich nah. Kein anderer Komponist des 19. Jahrhunderts hat solche Klangkathedralen ersonnen wie Anton Bruckner. Als Organist fühlte er sich dem Erbe der Musik der Renaissance und des Barocks stets verbunden. Bruckner fasste sein musikalisches Schaffen immer als Bekenntnis und seine Kompositionsgabe als Geschenk Gottes auf. Bruckners Lebensstil war geprägt von geradezu mönchischer Einfachheit und stetem Streben nach Kontemplation. Er stand in diametralem Gegensatz zum damaligen Künstlerbild und schien gleichsam aus seiner Zeit gefallen zu sein. Erst spät wurde er von den Zeitgenossen als Komponist gewürdigt. Heute gehört er zu den wichtigsten und innovativsten Tonschöpfern seiner Zeit und hat großen Einfluss auf die Musikgeschichte ausgeübt.
Anton Bruckners Sinfonie Nr. 3 in d-Moll (WAB 103) war Richard Wagner gewidmet und wird gelegentlich auch als Bruckners „Wagner-Sinfonie“ bezeichnet. Das Zusammentreffen Bruckners und Wagners in Bayreuth statt und muss ein bemerkenswertes Ereignis gewesen sein. Die Uraufführung der Sinfonie fand am 16. Dezember 1877 in Wien statt und wurde von Bruckner selbst dirigiert. Bruckner besaß aber wenig Erfahrung in der Leitung eines Sinfonieorchesters und das Konzert war ein großer Misserfolg. Erst die Uraufführung der dritten Fassung am 21. Dezember 1890 in Wien unter der Leitung von Hans Richter wurde zu einem großen Erfolg. Einer der wenigen Unterstützer Bruckners war Gustav Mahler, der einen vierhändigen Klavierauszug dieser Sinfonie erarbeitete und zum Dank von Bruckner das handschriftliche Manuskript der ersten drei Sätze erhielt.

Guillaume Lekeu
Guillaume Lekeu, Sohn reicher wallonischer Wollhändler, wuchs in Poitiers auf, später siedelte die Familie nach Paris. Er dürfte für viele Konzertbesucher ein nahezu Unbekannter sein. 1889 reiste Lekeu zu den Bayreuther Festspielen und besuchte Aufführungen der Meistersinger, Tristan und Isolde sowie Parsifal. Tief beeindruckt von diesem Erlebnis kehrte er nach Paris zurück, fest entschlossen, Komponist zu werden. Als Meisterschüler von César Franck und Vincent d’Indy schuf der Wallone zwischen 1887 und 1893 einige der bedeutendsten Kammermusikwerke des „Fin de Siècle“. Eine Typhus-Erkrankung machte seinem jungen Leben im Alter von 24 Jahren ein jähes Ende. Der Originaltitel seines einzigartigen Werkes für großes Streichorchester ist „Adagio für Orchesterquartett“ und trägt den Untertitel „Les fleurs pâles du souvenir“.

Richard Wagner
Rienzi, der letzte der Tribunen, ist eine tragische Oper Richard Wagner. Sie wurde 1842 uraufgeführt. Auch bei dieser frühen Oper stammt das Libretto, wie bei allen späteren Musikdramen vom Komponisten. Die Oper handelt in freien Zügen vom Schicksal des römischen Staatsmanns und Volkstribuns Cola di Rienzo. Bekanntester Teil des Rienzi ist sicherlich seine Ouvertüre, die Musikkritikerin Christine Lemke-Matwey etwa nennt sie „einziges Prunkstück der Partitur, ein überwältigend süffiges Perpetuum mobile“. Wir wollen es hier nicht verschweigen: Rienzi war die Lieblingsoper Adolf Hitlers. Die Ouvertüre musste oft als Untermalung der Reichsparteitage herhalten.